Eines der Themen, dem viel zu wenig Beachtung beigesteuert wird, ist das Panning in Stereo-Mischungen.

  1. Einleitung
  2. Die Verteilung von Instrumenten im Raum
  3. Verteilung der Delay und Reverb Effekte im Raum
  4. Das Lautstärkeproblem
  5. Echte Positionierung mittels Delay
  6. Erzeugen eines Stereopannings mit einer Monoaufnahme

Einleitung

Eine gute Stereo-Summe läßt den Hörer ein Bild einer Band in den Lautsprechern aufbauen, in der jeder Musiker seinen räumlichen Platz besitzt.
Doch wie kommen wir zu einer solchen Mischung? – Dazu muss einem bewußt werden, dass die Lautsprecher eine Bühne darstellen auf dem jeder Musiker mit seinem Instrument seinen Platz hat.

Die Verteilung von Instrumenten im Raum

Wenn ein Lied aufgrund vieler Instrumente undurchsichtig klingt, liegt es in vielen Fällen daran, dass die Instrumente im Stereobild nicht richtig verteilt wurden:

Zu viele Instrumente, die im gleichen Frequenzspektrum liegen, kommen aus dem gleichen Lautsprecher.

Meistens wird dann versucht diese Instrumente per EQing im Frequenzspektrum voneinander zu trennen. Die Wirkung: Die Instrumente klingen nicht mehr satt und dem Lied fehlt es an Kraft.

Eine einfache Lösung dieses Problems ist die Verteilung der Instrumente auf die beiden Lautsprecher, das eigentliche Panning, und eventuelles Nachregeln mit (ein wenig) EQ und Lautstärke.

Stellt euch den Raum der Bühne als ein Blatt Papier vor. Die X-Achse stellt das Stereobild dar, die Y-Achse die Frequenzverteilung von unten (tiefe Frequenzen) nach oben (hohe Frequenzen). Zeichnet anschließend für jedes Instrument aus Eurem Mix einen Kreis oder Oval so ein, wie ihr glaubt, dass es das Instrument gut repräsentiert.

Ihr könnt den Kreis sowohl in der Y-Achse größer machen, wenn das Instrument viele Frequenzen benötigt, als auch in der X-Achse, wenn das Instrument aus einem sehr räumlichen oder stereobreiten Klang besteht.

Schnell werdet Ihr feststellen, dass einige Instrumente sich überlappen, wenn ihr diese nicht gut im Stereobild verteilt habt.
Durch eine Neuanordnung auf dem Papier und anschließende Umsetzung am Mischpult erzeugt Ihr ein schönes, sauberes Klangbild.

Verteilung der Delay und Reverb Effekte im Raum

Wie das Instrument selbst hat auch der Effektanteil einen nicht unwesentlichen Anteil am Gesamtklang. Klingt der Reverb zwar gut, ist aber im Gesamtmix zu präsent, kann ein Reverb oder Delay mit gegenteiliger Einstellung zum Panning des Instrumentes wahre Wunder bewirken.

Z.B. liegt die Gitarre halb links im Panning, erzeugt der Reverb mit Einstellung halb rechts einen wunderbaren räumlichen Klang. Gleich verhält es sich beim Delay. Wichtig ist, dass es nicht nur einen Reverb/Delay Effektkanal, sondern mehrere mit unterschiedlichen Panning zur Auswahl gibt.

In einem späteren Artikel werde ich mich noch mit dem Thema Tiefenstaffelung beschäftigen.

Das Lautstärkeproblem

Das Problem ruht auf der Tatsache, dass ein Signal aus zwei Lautsprechern (Panning-Regler in der Mitte) dopppelt so laut ist, wie das gleiche Signal, dass aber nur aus einem Lautsprecher kommt (Panning-Regler ganz links oder ganz rechts).

Daher bieten einige Sequenzer eine Einstellung zur Panning-Lautstärke beim Vollausschlag an. Dieser Einstellung verringert die Gesamtlautstärke des Kanals um -3DB oder -6DB (je nach Einstellung) wenn der Panning-Regler in der Mitte steht. Es wird dann automatik die Lautstärke angehoben, wenn der Panning-Regler nach links oder rechts verschoben wird.

Echte Positionierung mittels Delay
Zur wirklich guten Raumpositionierung eines Klanges oder Instruments reichen die unterschiedlichen Lautstärken aus dem rechten und linken Lautsprecher nicht aus.

Wer mal eine Gitarre mit einem Stereomikrofon aufgenommen hat, kennt den gravierenden Unterschied zur Monoaufnahme mit Panningregelung.

Wodurch unterscheidet sich eine Stereoaufnahme eines (Mono-)Instruments von einer Monoaufnahme?

Ganz simpel gesagt: das Delay macht den Unterschied.
Eine Stereoaufnahme mit nicht-mittig positionierten Instrumenten erzeugt immer ein Delay auf der gegenüberliegenden Seite. Im Extremfall, also vollständiges Panning zu einer Seite kann das Delay bis zu

0,5 Millisekunden betragen, oder wer es samplegenau wissen will:

Delay = Abtastfrequenz / 10 * Maximaldelay von 0,5.

Bei 44100 hz wären es 2205 Samples.

Erzeugen eines Stereopanning mit einer Monoaufnahme
Durch Verwendung eines Stereodelays als Insert-Plugin läßt sich dieser Effekt nachbauen. Dazu wird das Delay auf der Seite des Instruments auf ein Minimum reduziert, der anderen Seite ein Delaywert von maximal 0,5 Millisekunden zugeteilt. Zum Schluss wird das Feedback sowohl links als auch rechts auf 0 setzt. Damit das Delay auf der gegenüberliegenden Seite noch hört wird, sollte das Panning nicht vollständig in eine Richtung verschoben werden.

Nun haben wir aus einer Monoaufnahme eine Stereoraumverteilung geschaffen, der wir nun mittel Delay und Reverb in den Effektkanälen zusätzlich die Tiefenwirkung verstärken können.